Eberhard Schellenberger zu Gast im St.-Ursula-Gymnasium
Stille herrscht morgens um acht Uhr im Angelasaal der St.-Ursula-Schule, als sich alle Schülerinnen der 10. Jahrgangsstufe des Gymnasiums versammelt haben, um in 90 Minuten einen Einblick in Eberhard Schellenbergers journalistisches „Lebensthema“ zu gewinnen: Das deutsch-deutsche Zusammenleben.
Der gebürtige Bamberger, der seine journalistische Arbeit mit einem Volontariat beim Haßfurter Tagblatt begann, verbrachte über 40 Jahre seines Berufslebens beim Bayerischen Rundfunk, von 1996 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2020 als Leiter des BR Studios Mainfranken in Würzburg.
Eindrucksvoll schilderte Schellenberger, wie ihn seine Kindheit und Jugend in Zeil am Main und seine Schulzeit im Internat in Bad Königshofen sowie Ausflüge in die Rhön mit der deutsch-deutschen Grenze in Verbindung brachten.
Erschütternd wirkt die Tatsache, dass die Staatssicherheit (Stasi) auf ihn als jungen Journalisten aufmerksam wurde und in Cottbus über ihn eine erste Akte unter dem Namen „Journalist“ anlegte, die bis zum Ende der Stasi-Tätigkeit auf 400 Seiten anwuchs. Sehr deutlich wurde, dass seine Besuche in der DDR stets von Bespitzelungen durch die Stasi begleitet wurden, sei es durch Agenten, die ihm in einigem Abstand in der Fußgängerzone von Suhl folgten oder durch Mikrofone, die unter anderem in Lampen und Telefonen in Hotelzimmern dauerhaft montiert waren, um auch in einem scheinbar geschützten Raum Informationen zu sammeln. Auch Briefe oder Weihnachtspakete, die Schellenbergers Familie an Freunde in der DDR sandte, wurden häufig geöffnet.
Trotz all dieser dunklen Seiten erlebte der Journalist auch viele positive Momente im deutsch-deutschen Verhältnis, etwa im Zuge des Aufbaus der Städtepartnerschaft zwischen Würzburg und Suhl bis hin zum Höhepunkt seines journalistischen Lebens:
Die Live-Reportage über die Nacht zum 3. Oktober 1990 am ehemaligen Grenzübergang Eußenhausen-Meinigen. Dort feierten in einem Festzelt rund 2.000 und außerhalb nochmals 10.000 Menschen den ganzen Abend über bis in den 3. Oktober hinein.
Atmosphärisch bereichert wurde die Lesung durch eine Präsentation mit Originaltonaufnahmen des Bayerischen Rundfunks und anschaulichem Bildmaterial.
Eberhard Schellenberger hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schulen, Vereine, Büchereien und andere öffentliche Orte zu besuchen, um als Zeitzeuge insbesondere die junge Generation einerseits auf die Unfreiheit und die Schrecken der Stasi in der DDR aufmerksam zu machen und andererseits in Demut und Dankbarkeit an das Wunder der friedlichen Revolution von 1989 zu erinnern. Er schloss seine mit reichlich Applaus bedachte Lesung mit dem Titel der Romanautorin Ilse Obenland: „Freiheit ist nicht alles, aber ohne Freiheit ist alles nichts.“
Text und Bilder: Harald Retsch






