Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden im David-Schuster-Saal
Zu einem von zwei ganz besonderen Konzerten waren rund hundert Schülerinnen der Oberstufe des St.-Ursula-Gymnasiums in das 2006 eröffnete Jüdische Gemeinde- und Kulturzentrum Shalom Europa gekommen.
Im David-Schuster-Saal gastierte die 2007 gegründete Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden mit ihrem künstlerischen Leiter Michael Hurshell. Das 20 professionelle Musikerinnen und Musiker umfassende Orchester, das auf Konzertreisen unter anderem in Berlin, Köln, Straßburg, Breslau, Jerusalem und Tel-Aviv gastierte, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Werke verfemter jüdischer Komponisten zu präsentieren, die über drei Generationen nicht mehr in deutschen Konzertsälen zu hören waren oder teilweise auch noch nie in Deutschland aufgeführt wurden, weil die Kompositionen im Exil verfasst wurden.
So hatten die Schülerinnen und ihre begleitenden Lehrkräfte das Glück, gut 30 Minuten Kompositionen von Alexander Zemlinsky, Erwin Schulhoff und Franz Schreker zu hören. Neben kurzen Erläuterungen zu den einzelnen Stücken und deren Komponisten während des Konzerts, wollte der Dirigent in der zweiten halben Stunde mit den Schülerinnen ins Gespräch kommen. Hurshell hatte eingangs erläutert, was die Entscheidung der Nationalsozialisten, die Musik jüdischer Komponisten als „Entartete Musik“ zu diffamieren und deren Aufführung zu verbieten, für die Musiker bedeutete: Zunächst ein jähes Ende einer begonnen Karriere, Berufsverbot mit Verlust der Lebensgrundlage. Ganz zu schweigen von der Angst vor weiterer Verfolgung, Verschleppung oder der Tötung in Konzentrationslagern.
Eine Schülerin fragte, wie es sich denn für die Musikerinnen und Musiker anfühle, mit diesem historischen Wissen in dem Orchester die Musik jener Komponisten aufzuführen. Daraufhin reichte der Dirigent das Mikrofon einer Violinistin: Sie erklärte, dass es ihr eine große Ehre sei, die Musik der Künstler zu spielen und diese so wieder in der Gesellschaft erfahrbar zu machen.
Man kann den “Schülergesprächskonzerten”, die 2017 mit dem internationalen Hosenfeld-Szpilman-Preis ausgezeichnet wurden, nur wünschen, dass sie weiterhin sehr viel Unterstützung erfahren und möglichst viele junge Menschen erreichen.
Harald Retsch


